torsdag, maj 24, 2007

vielleicht kann milch auch fest werden, wenn man will


oh, ich habe einen plan! ich habe einen plan! bevor der hagel kommt, verziehe ich mich mit einer geflügelschere auf eine gebirgshütte und komme nach vierzig tagen zu zweit wieder. ich und mein seelenschnaps, der zum trocknen in einem umschlag liegt. die glimmlampen laufen wieder auf voller leistung, und mein fahrrad braucht keine reißzwecken mehr, um die löcher zu stopfen. lisza, van gogh und ich wissen es: alles eine sache der droge. pfefferminztee, schwedischer tabak, rapsgelb - und ein kugelschreiber verwandelt sich in ein zeppelin.

>und es wird morgen, ist das die freiheit,
fragst du sie nach ihrem preis.<

onsdag, maj 16, 2007

ach, nichts


locker leuchtend saß ein kleines schneehuhn auf dem fensterbrett im dritten stock. das haus der artenvielfalt war ihm einfach zu klein geworden.

lördag, maj 12, 2007

gott und ich, als jugendliche verkleidet


[ett]

  1. tagesziel für das gehirn: ein norwegisches plumpsklo auf verrottungsbasis.
  2. die maschine gott [beta] stellt einen hebel um - handbremse und schadenfreude.
  3. sie formt eine körnige masse und wickelt sie in glitzerkleider und durchsichtige synthesizerfäden.
  4. dann ruft sie >hexhex!<

[två]
  1. wenn ich nur ein wenig zeit hätte, dachte ich, dass er denken könnte, wenn ich ihn das nächste zwischen meine ohren malen würde.
  2. er könnte ja den verzweifelten versuch machen, aus der geometrischen stadt zu fliehen.
  3. mit einem fahrrad in die altmark oder eine verdreckte böhmische stadt mit schaumigem fluss und einer ritterburg.
  4. er würde allerdings merken müssen, dass man welten nicht einfach vertauschen kann, dachte ich.
  5. dass eine schornsteinvorstadt kaum mit einem bauernhof zu ersetzen ist.
  6. er würde es mit berlin versuchen, dachte ich und überlegte, ob es sinnvoll wäre, etwas größeres zu planen, um herauszufinden, ob in mir doch so etwas wie disziplin steckt, weigstens wenn es um bilder geht.
  7. oder ob dann nicht vielleicht das abstürbe, was die leute leben nennen. rasieren, brille aufsetzen, sowas.
  8. ich muss mir klarmachen, dass es letzten endes nur ich bin, um den es geht.
  9. dachte ich.

[tre]
  1. als der bus endlich in die wendeschleife fuhr, konnte er sich auch nicht an bessere zeiten erinnern.
  2. bessere zeiten, was war das überhaupt für ein wort.
  3. er drehte um und fühlte sich wunderbar mechanisch.

torsdag, maj 10, 2007

jena sagt


scheit auf zeiss.

torsdag, maj 03, 2007

ein park, ein roter teppich, ein hammer


ein schlimmer zustand, wenn das brennen im magen sogar die erscheinung lieblicher frauen übertönt. wenn das wissen darum, dass sich daran auch in anderthalb stunden nichts geändert haben wird, mit zielsicherer kralle nach der emo-schublade greift. wenn man wie zum hohne auch noch einen halbverfaulten apfel in seiner tasche findet, mit grauem fruchtfleisch und einem bröckligen kaugummi dabei.

jedes mal schramm ich millimeter am glück vorbei. oder millisekunden, was weiß ich. aus angst, ja vielleicht aus angst. doch vor allem, weil etwas mich nach oben, etwas mich nach unten zieht - und ich am ende da bleibe, wo ich bin, mit dem stromschiff nach nicht-hier segelnd. ein haarriss zieht sich durch die glatten schultern, wenn ich nach hause komm.

es ist der abgrund, der dafür sorgt, dass die käferleichen ans ufer gespült werden, nicht-mehr-krabbelfähige bilder der zukunft. sie wären durchaus zum fliegen fähig gewesen, ohja. man stirbt heutzutage nicht an wichtigen dingen, man stirbt an geballter banalität. an einfachheit und zu langen wörtern.

mag sein, dass die kinder mit dem pausenbrot recht haben, wenn sie sagen, dass die güterzüge, auf denen ich fahre, zu laut sind und zu lang. mag sein, dass sie auch nur angst haben vor der folgenden stille. aber ich habe nichts, womit ich die sbahn-schaffnerin bezahlen könnte, also bleibt mir keine wahl. laute güterzüge, und nur an den baustellen neben den dreistöckigen häusern kann man aufspringen. rostige kesselwagen, und während der fahrt muss man sich zwischen die riesigen trichter kauern. dann denkt man an freundschaft, und dass auf den anderen wagen vielleicht auch jemand hockt. man ruft in die dunkelheit und die dunkelheit ruft zurück. sie beantwortet keine fragen, doch sie hat eine warme stimme. man darf nur nicht zu genau hinhören.

måndag, april 30, 2007

tagmond


vielleicht war es ein trauriger morgen zwischen halbvollen aschenbechern, vielleicht auch ein verschwitzter frühnachmittag in den kreischenden schluchten aus glas und beton. ich dachte und machte damit alles kaputt.

eins der seltsamsten gefühle, die ich je hatte. es ist, als ob mich jemand als fremdkörper in eine torte aus wahrheit gesteckt. ich klebe in ihr drin - nein, ich fahr durch sie hindurch, sitze in einer schlange aus licht und weiß jetzt, dass es nicht unbedingt etwas schlechtes ist, von magensäften zersetzt zu werden.

ich glaub einfach nicht, dass das alles ein schauspiel gewesen sein soll. blicke und tränen, träume auf bänder gepresst?

nur die töne holen alles zurück. die englischen vorstädte, die wiesen und die straßenschilder, die in der freundschaft glitzern. hoffentlich bleibt wenigstens was von den flauschigen weihnachtbäumen übrig, aus denen man später kastanienmännchen baut.

lördag, april 28, 2007

missverstehen


>rasierte augenbrauen sollen es sein!<, sagte die frau des pharaos mit entschlossener stimme, sodass nur ein haselnussgroßer zweifel an ihrer entschiedenheit aufkommen konnte. er setzte sich genau in das linke auge des routinierten frisörs. >nun denn. die pharaöse kann gut reden, ich kann gut schneiden<, dachte er. und während die quellwolken vom vormittag langsam richtung sinai zogen, verlor die heilige frau, was sie jahrelang so emsig gepflegt. einmal hatte sie wochen damit verbracht, ihre härchen mit ziegenkot zu düngen. bis ihr mann sie dabei erwischte und sie in einer kleinen pyramide im oberen nildelta aussetzte, um zu prüfen, ob sie auch nützliche sachen kann, zum beispiel alleine-nach-hause-kommen oder so. und er war überrascht, als sie schon am nächsten tag wieder in den palast einritt. dabei war ihr trick ganz billig gewesen; sie hatte sich als gottheit verkleidet und sich einen überdimensionalen falkenkopf aufgesetzt, sodass die leute ihr alles mögliche opferten. schweine, dinkelbrote, mittlere grabräubereien und fahrräder. natürlich schnappte sie sich sofort ein unauffälliges diamant-modell und fuhr nach hause. dort bestrafte sie ihren rigorosen gatten mit dem, was sie gern >die waffen einer frau<>rasierte augenbrauen sollen es sein!<

denn wer einmal aus dem dingsnapf frisst.

måndag, april 23, 2007

no mentira


es brennt schon wieder in paris. paris brennt sehr gut, solang ich nicht dort bin.

söndag, april 22, 2007

die klippen unserer freundschaft


sonntagnachmittag im zwitschernden frühling. ein kleiner junge im kostüm versteckt sich auf einem steinhaufen des verwilderten bahndamms in der vorstadt. der kleine junge bin ich, und eigentlich hasse ich es, von mir in der dritten person zu schreiben, nur weil es sich besser anfühlt und weniger nach tagebuch klingt. aber dieses >ich< ist mittlerweile so befleckt und ausgeleiert; es es sträubt sich einfach dagegen, sorgenlos auf einem steinhaufen zu sitzen dabei zuzusehen, wie die gelbe kugel langsam zwischen die fabrikhallen fällt.

dieses ich fühlt sich nirgends mehr wohl außer in halbbelichteten neonwelten, die hinter rechteckigen türen und viel arbeitsspeicher liegen. dieses ich ist nirgends zuhause als in den armen der vermenschlichten perle.

aber der kleine junge sitzt immer noch im sanften wind auf seinem lieblingsplatz. so viele pflanzen kann sich ein stadtkind nicht vorstellen. früher ist er nur in die halle mit den hängenden seilen gegangen, weil er dabei der schönheit begegnen konnte, die sich als grünes gefieder aus dem boden herausschlang und all das, was der junge sonst als erbrochenes des wohlstands empfand, in eine art paradies für blinde jungen verwandelte. er konnte nicht anders als die speckigglatten begriffe der bärtigen alten wieder auszugraben. er saß da und war zuhause. er dachte keinen buchstaben richtung norden, und das lag nicht nur am thermischen gleichgewicht.

ich frag mich manchmal, wenn der junge und ich zusammen in der bahn sitzen, wer von uns am ende übrig bleibt.

onsdag, april 18, 2007

hauptsache nicht jung


I

  1. wird die musik leiser, werden die farben lauter, das ist zwangsläufig so. und umgekehrt.
  2. nach ein paar kläglichen versuchen, buddha zu spielen, stürzte das lederne kind in eine lohgerbergrube. es hatte wohl vergessen, noch ein paar gefühlsknöpfe abzuschalten.
  3. es wollte doch nur nach draußen sehen.
  4. nur nach draußen sehen, mehr nicht. ein bisschen licht, ein bisschen abwechslung.
  5. natürlich war das ein fehler gewesen, einer der größten, die man machen kann. messer, gabel, schere, licht
  6. sind für kleine kinder nicht.
  7. nun schwamm das kind da in der grube, und seine haut war schon ganz teigig geworden. ein paar mikrofalten bauten eine pioniereisenbahn für spätere tränen.
  8. auch die musik hatte jetzt aufgehört, ganz ohne bonuslied und b-seite. jemand schoss hochenergetische photonenbündel durch die fenster. die farben werden lauter, dachte das kind. ohne musik werden die farben lauter.
  9. und obwohl es die geschichte der menschen noch nicht kannte, dachte es an die leichen von wofgang borchert und der frau von helmut kohl.
  10. und an fiese photonenbündel.
II
  1. draußen war es wider erwarten dunkel geworden. das kind dachte einen kurzen moment, dass es vielleicht so etwas wie glück geben konnte. es stieg aus der grube und
  2. es zerbrach die stifte. einzeln. nur um das knacken zu hören.
  3. es setzte sich wieder an den beckenrand. es sah den fischen zu, wie sie sich durch die stinkenden späne kämpften und versuchte zu lächeln.
  4. es ging nicht.
  5. das kind betastete seine neuen falten. sie fühlten sich schon krokodilisch an, so ledern waren sie. das kind freute sich und lächelte. im mittelalter wäre es vielleicht mönch geworden, oder nonne.
  6. hauptsache, nicht jung.
  7. zumindest innen.

söndag, april 15, 2007

danach-tage


ich darf nicht vergessen, nichts vergessen. deswegen sitz ich an einer raststätte in einem glühenden roten kleinwagen, mit einer schweißschicht, die das gesicht vollständig überglänzt. ich darf nichts vergessen, kein einziges detail - alles scheint so wichtig zu sein. nicht die teile - doch, die teile auch - aber dieser faden, der einen durch eine art süßduftenden sumpf zieht - die zeit.

meine schrift wird kraklig, obwohl ich ruhig hier sitzen kann. [bewegung wäre auch tödlich. jugendlicher ertrinkt im eigenen saft. und als die beamten die tür öffnen, läuft eine lache modriger, halbviskoser masse über die heißen steine.]
verzweifelt sitze ich da und brenne negative in meine kopfhaut. es fühlt sich an, als hätte ein vermummter, milchbärtiger terrorist einen sprengkopf auf meinen hals gelötet.
nur nichts vergessen. keine eminenz, und keine pappfassade.

auf dem weg nach hause, in einem roten golf mit drei frischgepressten und -gestempelten studenten. es war heiß, draußen legte petrus zuckerwatte auf seinen plattenteller und die windmühlen freuten sich, denn sie hatten arbeit. arbeit ist wichtig.
der verkleidete junge hatte kein bedürfnis mehr, große kunst zu sein. er wollte sich nur die haare schneiden und ein bisschen so tun, als könne er später seinen enkeln eine biografie hinlegen. damit sie dann nicht sagen könnten, er habe keinen grund, immer nur an früher zu denken.

eigentlich wusste er ziemlich genau, dass er nie irgendeine berufung haben würde. das wissen alle, die später trotzdem so tun als ob. es störte ihn nicht, und er sah aus dem offenen autofenster der frühlingsmaschine dabei zu, wie sie eingefallene brüste wieder in blühende rapsfelder verwandelte. massenweise zerplatzte insekten klebten auf der windschutzscheibe und versuchten, auch dazuzugehören. natürlich gelang es ihnen nicht.
es wird trotzdem schreibbedarf geben, sagte er sich. ihm war egal, ob ein wirklicher drang oder ein erlernter reflex dafür die ursache war.

ich habe autos nie gemocht. ich mochte nicht, wie sie steingesichter produzierten und lange würmer aus blech und ampeln. ich mochte nicht, wie sie versuchten, nett auszusehen und sich das auge einzuschleichen, nur um nase und ohren zu betäuben.
aber auf der autobahn durch fremde städte zu fahren, die aussehen wie stinkmorcheln oder spielwiesen riesiger skateboarder; zu fahren und die leitplanken immer paralleler werden zu sehen - bald ist es egal, ob man nach hause fährt oder nie ankommt.

seine enkel. so ein dreck. wer schreibt denn bitte für seine familie. es ging nur um ihn, und um ein paar alte stricke, die sich nach überall hin zogen und die irgendwann vermodern würden.
er dachte an gestern. gestern hatte er noch milchzähne gehabt. es war ein kurzer tag gewesen, denn mit auch mit gesellschaftlich anerkannten drogen kann man sich in jeder stadt zu hause fühlen. wenn man den geldgestank für ein paar stunden vergisst.

er hatte zum ersten mal das bedürfnis gehabt, abzubilden. festzuhalten, die worte und die bilder. er wollte aus seiner erinnerung eine sprechende plastik formen, die periodisch um sich selbst rotiert. er schloss die augen, zerschlug den blinkenden alarmknopf, neben dem das wort >deutschland< stand, und wollte ein gedächtnis kaufen. ja, er wollte ein gedächtnis kaufen, aber die friedhöfe waren leer und die köpfe der lebenden angeschimmelt.

>in dieser zeit hab ich am intensivsten gelebt; eine sternklare mondnacht auf den hügeln am rheinufer<, sprach eine stimme, und eine andere sagte >von der welt weiß ich nichts, ich weiß höchstens was von mir.<

seine augen waren leicht gereizt, denn die zeit der fliegenden pollen hatte begonnen. wenn er wieder dort sein würde, wo er hergekommen war, in einer überdachten halle voller spielzeug, mit einem spielzeugfluss und lebensmittelfarben, dann würde er sofort anfangen zu leben. es ist ein angenehmer gedanke, dass man sich an brennenden zukunftsplänen wenigstens wärmen kann.
er fühlte sich ein bisschen wie rumpelstilzchen.

söndag, april 08, 2007

jahrhunderte können nicht sprechen, aber


heinrich heine sagt: >seit ich nicht mehr an deutschland denke, geht das mit dem schlaf auch wieder besser.<

torsdag, april 05, 2007

wenn man übt, profan zu sein


hauptbahnhof, unter den brücken, 17 uhr. schon fünf minuten bevor der regionalbus ins erzgebirge abfährt, steht eine horde militanter rentner in lauerstellung an der sonnigen haltestelle. den blick starr nach links gerichtet, verkrampfen sich die rostigen hände um aufpolierte krückstöcke und gemusterte taschentücher, und die brillengläser scheinen in ihrer goldenen fassung immer größer zu werden. fensterplatz-aggro.
einmal innen im gelobten gefährt angekommen, suchen sie möglichst schnell eine entspannte miene aufzusetzen und die neueinsteigenden mit unverhohlenen prüfblicken zu bewerfen. manche holen dazu noch ein extra vom nächtlichen hungermunde abgespartes eukalyptusbonbon aus dem mantel, und während sie schal und mütze ablegen [so eine, die aussieht wie der grüne rest einer erdbeere, nur in beige], spitzen sie gemütlich den mund lutschen an ihrer taschenbeute.
die busse im regionalverkehr sind im prinzip nur umfunktionierte reisebusse. wenn man einsteigt, seine monatskarte vor die brust hält und durch die schmale gasse laufen muss, ergibt man sich still den erwartenden augen und komplettiert das schaulaufen, indem man flüchtig nach netten gesichtern und frühligshaften landschönheiten ausschau hält.
ein bisschen traurig ist das schon.

lördag, mars 31, 2007

mittags stellt man einen leierkasten auf


in dem buch neben meinem bett wohnen sie alle. über achtzig jahre hat man sie gesammelt, die guten, die schlechten, die bleibenden und die bleichenden. alle stehen sie da drin, zusammengepfercht mit ihren eigenen schwertern, und manche passen schon in einen lauwarmen halbsatz.
während man später die kopien von kopien nach allen regeln zurückverfolgen kann, fühlen sie sich noch wie leuchttürme an der stürmischen see.
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die heizung mara und der lebendige weiße niggah auf dem eis. amanda und die heilige stimme auf einer carbonpizza. ein rudel suchender schatten hinter einem netz aus 256 farben. ich will nach hause.

wo ist der unterschied? man sitzt da, vor seiner elektronischen burg, und an einem tag stellt man elektronische schwanzvergleiche an. wer heult am lautesten, wer hat die meisten silben? man kommt aus der echten welt in ein gefängnis der buchstaben, nur dass es keine suppe gibt, sondern die geistesexkremente anderer menschen, die einen nur noch hungriger machen nach fremdgefühlen. ist es wirklich der ersatz für die selbstähnliche drehorgelfunktion? ist es wirklich der ersatz für aufgang-untergang und das pendel zwischen gold und geld?

und am nächsten tag ist man genau das, von dem man denkt, dass sie es seien.

onsdag, mars 28, 2007

letztes gift in den wunden


  1. eine leere seite, die auf gesellschaftskritik wartet, gegen eine, die im halbschlaf ungeahnte psychosen aufdeckt.
  2. >alles für die liebe< - eine flötende stimme klingt aus den tiefen des mittelmeers.
  3. die fahrt mit ngt-8dd 2604; verordnetes alleinsein.
  4. ich habe gehört, dass die sogenannten sozialdemokraten farmer dave und den kleinstadtfrisören mit beiden händen im arsch herumwühlen. sie brauchen neue herzklappen, wie es aussieht.
  5. ausweg durch das fenster - eine eine honigglänzende kamerafahrt mit krümmungseffekt; stolze nadelbäume beugen sich dem tunnelblick verträumter schwarzfahrer.
  6. 2604 - warum kann ich nicht ewig hier bleiben und dir zusehen, wie du soziale kälte stufenlos regelst?
  7. "nächste haltestelle: neuer annenfriedhof."
  8. siehda, ein kapitolmonopal, welch seltenes sammlerglück! wie nett, dass es sich so schön hier eingerichtet hat, wo die doch in unseren breiten so rar gesät sind. schau nur, wie keck es jonglieren kann; die arbeit flattert hoch im wind.
  9. ein echter feuerball klebt auf den hängen in der oststadt. keine billige kopie, sondern der original feuerball™.
  10. im prinzip ist er fast noch zu sehen.

lördag, mars 24, 2007

30 tonnen fleisch


er hatte die anlage ausgeschalten, um nur noch den störgeräuschen in seiner ohrmuschel zu lauschen. seine jacke stank nach rauch, und er war mit dem letzten bus nach hause gekommen. im dorf hatten sie die lichter schon gelöscht. er dachte an nichts, und auch der himmel zeigte ihm nichts, denn alles, was es gab, war die störfrequenz bei 8khz. sie stand im raum, sie war schon immer da gewesen. ein einrichtungsgegenstand, liebevoll gezeichnet.

"any kind of love is a needle in the head"

nachts versuchte er meist besonders aktiv, sein leben abzutöten. das leben wehrte sich, aber nach ein paar stichen mit dem kugelschreiber gab es auf und legte sich freiwillig auf die schienen der kleinbahn, auf die er schon seit jahren wartete. bei sonnigem wetter saß er am verwilderten bahndamm mit einem blatt sauerampfer im mund, und lauschte ab und zu an der schiene. fleißig schrieb er alles auf, was er tat; selbst wenn es nichts war, schrieb er das auf. er suchte einen wagen, auf dem er friedlich richtung güterbahnhof rollen konnte, ohne für die s-bahn zu bezahlen.

oft sprechen menschen von gedankenwelten, aber ich glaube nicht, dass er eine hatte. ab und zu schien der himmel aufzulockern, und er freute sich auch immer, wenn jemand sowas ähnliches im morgenmagazin sagte. aber eine gedankenwelt, die hatte er nicht. konnte er doch kaum selbst entscheiden, wer nett war und wer nicht. seine bilder glichen eher abgerissenen fetzen von kleidung aus den sechzigern. sie hörten an einer stelle auf, die eigentlich wichtig gewesen wäre, und hinterließen nur die grobe erinnerung an irgendwelche farben. sein blick trübte sich zu oft, um die träume scharfzustechen.

"any kind of love finds anybody else"

30 tonnen fleisch, die taktlos auf der stelle tanzten. er stand nur stumm an der theke.

tisdag, mars 20, 2007

das gefühl von einer hand auf den rippen


und überhaupt, was bleibt übrig von der sonnigen flussbiegung, wenn man einmal weggegangen ist? die kameras laufen noch, aber die schattenhummeln, sie sind schon lang vom bildrand geflogen. immerhin kann man ihre scheiße noch zu polierten halbwahrheiten verdichten und dann damit jonglieren; das ist, was alle tun, die sich auf der schwelle nochmal umdrehen. dann werden die dinge wieder zu dem, was sie sind. eine taste wird eine taste, ein stift ein stift, und ein kotflügel wird wieder ein kot-flügel.

ich will mir nichts schlimmes eingestehen, aber genau jetzt ist der zeitpunkt, an dem mich die nächtliche dampflok jeden tag abholen würde, wäre ich da. ich weiß zwar nicht, ob ich eine wahl hab und ob es immer einen ausweg in die waldigen hänge jenseits der elbe gibt, aber halbwertszeiten sind zeitlich konstant. nochmal: halbwertszeiten sind zeitlich konstant. das dastehen mit dem sieb für kleine zeitintervalle, es kostet mich jede stunde ein stück vom kampf. und ich geistere traumlos durch die nacht, mit einem hals wie eine faule quitte, und erwache am nächsten morgen inmitten der aufgewühlten staubwolke, die ich mir selbst aus dem gezaubert hab, was mir ein sanfter wind über die jahre in meinen steinbogen blies.

heute ist kein gongtag, an dem alles auf einmal klar wird, das erzgebirge einstürzt und die restlichen silberflöze ein glitzerndes bild in den himmel malen. nein. heute ist nur ein tag, an dem der nebel nicht so tief steht.

måndag, mars 19, 2007

sherry im märz


frühling [eine veranstaltung, die der herr petrus einmal pro jahr auf der ganzen erde ausrichtet], war, alles in allem, sehr beliebt bei den menschen. sie freuten sich, denn unwillkürlich stieg mit dem sonnenstand auch die laune bei den leuten. sie begannen, wieder mehr einzukaufen, bananen, cds und häuser zum beispiel. manche machten sogar kinder, weil es so schön draußen war. und der herr petrus grinste ganz schleimig, wenn er seinen sherry einmal für einen moment zur seite stellte und den leuten beim vögeln zusah. erst nach einer weile musste er wieder an seine prostataoperation denken und holte sich ein neues glas. dann begann er wieder, den leuten komische sachen einzupflanzen, um ihnen ein anderes lebensgefühl zu geben.

warum er all das tat, wusste er selbst nicht genau; er konnte sich nicht einmal mehr erinnern, ob er überhaupt eine kindheit gehabt hatte oder ob er schon immer da gewesen war. seine jugend, dachte er manchmal, das musste so etwas sein wie ein zerfleddertes heupferd auf einer blühenden wiese. unbeachtet lag sie irgendwo versteckt, nicht einmal ein leises zirpen kam heraus. nicht, dass es ihn traurig stimmte, aber abends am stammtisch hatte er oft nichts zu sagen, wenn seine freunde von früher erzählten. es war allerdings auch so interessant; bei 10hoch23 galaxien und nochmal 10hoch11 sternen in jeder eizelnen, da gab es ziemlich komische typen, allein schon in seiner lieblingskneipe, in der ständig ein film mit hebräischen untertiteln auf einem kleinen fernseher über der bar lief - entweder "coffee and cigarettes" oder "the meaning of life".

wenn der herr petrus nachtdienst hatte, überlegte er sich manchmal, ob er selbst es eigentlich besser hatte als die menschen, die jeden morgen mit ihrem arschgeweih zur arbeit in in verglaste häuser gehen und teure autos fahren mussten. klar, er konnte immerhin abends ins paradies und war zufrieden und glücklich und überhaupt. aber jedes mal, wenn er dabei zusah, wie sich die falten als stempel der sterblichkeit immer deutlicher in die zellhaufen am oberen ende eines menschen gruben, dann war es nicht nur mitleid, das er für diese komischen kunden der zeit empfand, sondern auch ein kleines bisschen neid.

irgendwie, dachte er, ist es langweilig, alles zu wissen.

onsdag, mars 14, 2007

trümmer in der nacht


  1. wie kann man einen tag nur aus erbrochenem formen? meine damen und herren, ein exklusiv ausgekotztes stundenbrot!
  2. geschminkte elche verkaufen sich in den schleimigen gassen der wirklichkeit. sie haben pinguinkostüme an und spreizen beim laufen ihre handtaschen ab, um mitleid zu erregen.
  3. sonnige wochen mit trichter im kopf. über dem thüringer wald fliegen bemalte tennisbälle hin und her. die zukunft ist ein magnetischer drachen.
  4. na toll. und wir können zusehen, wie alles in dampfender senfsoße verschwimmt. gesichter und straßen, alles mit süßem brei zugeschmiert.
  5. nein, heut ist nichts real, überhaupt nichts. keine perle, keine lisza, kein innenminister mit bauchkatheder. höchstens der staubsauger vielleicht.
  6. mich umhüllt ein mantel aus gehirnschweiß, und die wahrheiten von heute morgen, sie schwimmen verzweifelt richtung kanadische grenze. der mensch ist berufen, blablablub. ihr berufenen, kacken gehen könnt ihr.

tisdag, mars 13, 2007

eine alberne geschichte


ein paar letzte gedanken tummelten sich in den endlosschleifen der äußeren gehirnwindungen des untergrundkönigs. weil es schon ziemlich spät war, ließ er ihnen ein wenig auslauf und setzte sich noch für ein paar minuten an die spinellgelbe rückwand seines schlafzimmers. [ja, und eigentlich kommt jetzt eine originelle beschreibung der hauptperson, die vor allem ihre kleidung und die gesichtszüge umfasst. ich bin aber faul, und deswegen spiel ich einfach mal so lange den könig. obwohl sowas mir noch nie sehr sympathisch war. nun kann ich aber wenigstens noch ein paar rostende altteile meiner psyche abwerfen. also, untergrundkönig = ich, oh yeah.]

von farbe triefende schmetterlinge, waschpulver für dreckige gedanken, musikalischer ablasshandel - der könig prüfte die neuen gesetzesvorschläge, die ihm gerade von der royalen hirnhälftenversammlung eingereicht wurden. er dachte, na jetzt, wo ich mich endlich mal selbst zum herrscher ernannt hab, werde ich wohl auch die zügel des untergrunds in die hand nehmen müssen. alle träumen davon, >der king< zu sein, und ich - der ich das gar nicht will, sondern nur durch eine blöde geschichte von mir selbst dazu gezwungen werde, das zu wollen - ich muss den scheiß jetzt machen. der king, bah.

am nächsten tag, in mitten des gelben scherbenhaufen, saß der untergrundkönig mit seinem frühstück. und so viele ungeschriebene briefe, an perlen, blumen, großtanten und rauchige schatten. [eigentlich sollte jetzt wieder etwas wichtiges kommen. aber ich hab gerade nur das bedürfnis, diesen schatten einen beutel voller liebe zuzuwerfen. ich denke manchmal an euch, obwohl ich euch nie gesehen hab.]

måndag, mars 12, 2007

liebste schienenprinzessin, bleib mir treu


ausgangspunkt ende der vernunft. schluss mit staubsaugen, essen, schwester besuchen. ab jetzt bin ich der untaugliche neustadtsoldier auf dem weg in die ewigen jagdgründe. der bus fegt mit 70 durch die schlafenden rentnerherden; mein nachtfahrplan und ich - ein herz und eine seele.

und ich frag mich auch nicht, warum ich so seltsam optimistisch bin. nein. gibt ja so viele sachen zu tun. hauptbahnhof-dach, malzfabrik, blaues wunder.