briefe an menschen, mit denen ich noch nie gesprochen hab [ett: das mädchen, das wahrscheinlich melanie heißt]

hallo.
klar, du weißt, wer ich bin. der komische psycho mit dem roten buch in der tasche. der früh immer erst hoch auf seinem regionalbus thront und an deiner haltestelle vorbeifährt, ohne dich eines blickes zu würdigen, nur um später kleinlaut in die 76 zu schlurfen, mit offener jack und mütze. und ohne coole studenten, an denen er seinen morgendlichen wachheitszustand messen könnte. auch der, der früher immer mit seinem bruder laut gar witzige späßchen über dich gerissen und dabei mit vor ekel verzerrtem blick die landschaftsleiche von prohlis betrachtete.
ich schreib dir rein aus langeweile - erstens weil ich dich dann als aufhängungspunkt für meine worte benutzen kann und außerdem, weil du eine der wenigen sympathischen personen hier zu sein scheinst. beim anblick des fein rasierten studentenpacks krieg ich nämlich regelmäßig mehrere hälse, auch innen.
also, ist es okeh, wenn ich dich einfach melanie nenn? denn wenn namen nicht passen, kann ich mir sie schlecht merken. ich meine, die meisten menschen heißen zumindest so ähnlich wie ihr erscheinen impliziert, dass sie heißen könnten. allerdings traf ich mal einen bernd, der so offensichtlich bernd war, dass ich in eine tiefe selbstvertrauens- und weltbildkrise geriet, als ich erfuhr, dass er eigentlich ein lukas war. lukas - so heißt ja auch mein bruder - konnte es sein, dass es so ambivalente namen gab? durfte es sein, dass eltern einen so offensichtlichen bernd ungestraft lukas nannten? das schöne gerüst aus vorurteilen drohte zu zerbrechen. und das, wo ich gerade mit meinem bruder ein diagramm über ideologische namensfärbungen entwickelt hatte. klar, wenn jemand im osten jenny oder sandra heißt und unter 25 ist, dann weiß man ja sofort, mit wem es wahrscheinlich zu tun haben wird. ein solches objekt kann man normalerweise auf 30 meter erpeilen und die fehlerquote ist erstaunlich gering. zumindest hegte ich diese überzeugung bis zu jenem bernd-trauma. und wenn auch immer alle von vorurteilblabla reden, dann haben sie zwar recht, aber keinen schimmer von der realität [zumindest der, die sich morgens dreiviertel 7 im öffentlichen nahverkehr bietet]. deswegen hab ich noch heute manchmal eine schöne handvoll feingestickter vorurteile dabei. das erleichtert den tag ungemein.
10 mal angespien:
Oh lala mein Herr, o lala. ich muß ihnen noch schnäll schreiben, solange der Wahnsinn noch in meiner Rabenkehle kratzt. Einen Tiefschlag voller Cindys, Mandys, Pussys will ich Ihnen versetzen, Sie nebulöser Namensberserker. Wer sind Sie? Gott? Der Boulettenbäcker gar? Die Verzweiflung der Obstschlange bemächtigt sich meiner. In meinen Ohren rattert der Lärm der 76, die ich doch nie sehen werde. Und in wütender Verzweiflung male ich mir aus, wie ich den Zug mitsamt aller Mägdlein und roten Pulis schüttele und schüttele bis der Talg aus den Nasen purzelt. Dabei bin ich doch nur auf der Suche nach den Gerüststangen die ich als Gehhilfe benötige. Alles ist so uneben hier, immer noch genau wie morgen!
chronischer innenhals, kenn ich.
auch wenn ich es mehr
mit dem chronischen nebenhals hab.
wat solls.
frans hals bleibt hals.-
Blogger hat Geschmack.
Aber das sagte ich bereits.
das finde ich hier nun mal tatsächlich eine meisterleistung.
sandy: ohja, jetzt wissen sie, was man aus gefleischwolfter langeweile alles machen kann. ich zum beispiel kann mir hervorragend halbernste sinnkrisen basteln und auf nichtsahnende passanten projezieren.
500-da-jay-da-beat!: ich hatte quasi einen ganzen baum aus innenhälsen, als ich noch einen fernseher besaß. half nur kupfernagel.
tuschumä: huh? blogger ist scheißgeschmack. aber parallelwelt olé!
überlady: weiß nicht. ich finds nicht gut; passt nicht so zusammen wie ich wollte.
haben die vorurtelie norwegermuste draufgestickt?
neinein, finnishmanmuster. bah, finnen!
ja, die haben schweinnenasen und viel zu viele rallyetitel, bah!
sie heißt übrigens anna marie oder anne maria oder anna maria oder marie anne... vielleicht sogar marianne....
ein warhaft schönes werk busanalyse.
kuss und gruß
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